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Die zweite Woche

Historisch: Lenas erstes Bad

Das oben und auf den folgenden Bildern dargestellte Ereignis ist quasi das ausgewählte Highlight der zweiten Woche.

“Ausgewählt” sage ich deshalb, weil Babys erstes Bad natürlich immer ein besonderer Anlass ist, tatsächlich aber dieser Tage fast alles “zum ersten Mal” geschieht, und vieles davon kommt uns einfach wesentlich spektakulärer vor.

Zum Beispiel öffnet Lena in der zweiten Woche erstmals die Augen “so richtig”. Und die sind rabenschwarz – und riesengroß.

Das erste Mal geschieht es irgendwann mitten in der Nacht – nach der Mitternachtsfütterung, was ihre persönliche Wachphase zu sein scheint – dass Lena mit einem Male glockenwach und hoch interessiert in der Gegend herumblickt. Und in folgenden Nächten immer länger braucht, um wieder einzuschlafen.

Auch tagsüber kommt es zwar vor, dass sie wach ist – auch mal länger – aber da bleiben ihre Augen eher zu Schlitzen verengt, während sie neugierig, missbilligend, abschätzig, belustigt, hypnotisiert, gelegentlich knörzend, stirnrunzelnd oder einfach nur voll auf Trip seiend irgendetwas oder irgendjemanden anstarrt (der Übergang von der roten Wohnzimmerwand zur weißen Decke, der dunkle Deckenleuchter vor weißer Decke und die auf dem Wickeltisch präsente Käthe-Kruse-Puppe haben es ihr besonders angetan).

Hysterisch: Lenas Reaktion darauf

Abgesehen vom Gucken, längerem Wachsein und auch mal längerem Schlafen (Rekord bisher: 4 Stunden, Sa. 16.1.10) sind folgende Dinge bemerkenswerte Premieren dieser Woche:

Samstag, 16. Januar: Erstmaliger Großbesuch der Slaby-Familie inklusive Inge, Antje, Jeanette und Freund Sim

Sonntag, 17. Januar: Erster vollentspannter gemeinsamer Morgen zu dritt im Bett, Bücher lesend (also, nur Jutta und ich jetze)

Sonntag, 17. Januar: Nabelschnur fällt ab (erstmalig und wohl auch einzigmalig)

Dienstag, 19. Januar: Lenas erster Besuch in der Außenwelt (nämlich auf Arbeit von Jutta)

Donnerstag, 21. Januar: Lenas erstes Bad (zu ihrer allergrößten Freude, wie man sieht)

Hilfreich: Die Hebamme zeigt Griffe und Techniken

Freitag, 22. Januar: Lenas erster Supermarktbesuch (im Maxi-Cosy, dick eingemummelt und 99% der Zeit fest schlafend, dafür von allen bewundert – wir lernen sogar neue Leute im Haus kennen :) ).

Samstag, 23. Januar: Erster Kinderbesuch (Dirk und Partnerin Groß-Lena kommen mit Sohn Finn, außerdem liefert Alex K. wieder Strickwaren seiner Mutter und hat Sohn Artur dabei – für uns nebenbei eine der ersten Gelegenheiten live mit anderen Eltern in etwa unserem Alter zu reden)

Happy dass es vorbei ist: Die trockengeföhnte Lena mit NaturPunk-Frisur

Was sonst war? Nun, eigentlich nichts Spezielles:

Zwischen allem entwickelt sich so etwas wie eine Routine. Jutta und ich wechseln uns ab beim Baby-Dienst, wodurch der gerade “Freigestellte” weiterschläft, wenn das Baby “muckst”, und der Diensthabende sich im Falle größerer Unruhe in das Wohnzimmer zurückzieht (das wird wenn ich wieder dauerhaft arbeiten gehe vermutlich umgedreht, so dass dort ich (durch)schlafe und das Elternbett bzw. -Schlafzimmer Mutter und Kind überlassen bleibt, solange Lena nicht durchschläft), tagsüber verbringen wir praktisch sämtliche Zeit zu dritt (Ausnahmen wie mein stundenlanges Blog-Tippern bestätigen diese Regel), meist unter Verzicht auf TV & Co., sehr viel lesend bzw. sofern sie wach ist natürlich uns mit Lena beschäftigend, gelegentlich kommt Besuch, gelegentlich wird eingekauft … “neuer Alltag” eben.

Und dabei einfach wundervoll.

Die erste Woche

Da war sie also: Lena. Die erst nach der Geburt und gegen den gebührenden Widerstand von Mama den zweiten Vornamen “Rabea” bekommen sollte. Der, nämlich, gefiel mir außerordentlich gut und hätte auch sehr gern der Erstname sein können – nur erinnerte er Mama Jutta an “Rhabarber”. Was ich zwar ehrlich gesagt nicht nachvollziehen kann, aber zu einer guten Ehe gehört eben auch, die Eigenarten und Ansichten – und eben auch die eigenartigen Ansichten – des Partners wenn nicht zu verstehen, dann wenigstens sie zu respektieren.

Lena selbst hatte sich ja nun wie gesagt selbst gegen den anderen Namensfavoriten (Sofia) durchgeboxt, und was Rabea angeht: Nun, als Zweitname kann Lena jetzt später selbst entscheiden, ob sie ihren “peinlichen Rhabarber-Zweitnamen” vertuscht und verschweigt oder umgekehrt Mutti anzickt, warum sie nicht Rabea heißen konnte, der Name sei sooooo viel neepster (was wohl das gleiche meint wie “cooler”, aber was weiß ich schon vom Jugendslang 2025).

Aber zurück zur Geburt:

Nachdem Lena Mama auf die Brust gepackt, durch Papa abgeschnippelt und kurz untersucht wurde (und wir mit einigem wissenschaftlichen Interesse die Geburt und Untersuchung der Plazenta betrachteten) verbrachten wir noch einige Zeit im Kreißsaal. Und waren erstmal überwältigt. Und ein klein wenig besorgt, denn Lena war immerhin ein Frühchen, und ihre knörzende Atmung gefiel der Hebamme gar nicht.

Im übrigen fragte ich mich schon im Kreißsaal, ob “knörzen” überhaupt ein echtes Wort ist, und ob es sowas wie ein Fachwörterbuch für Geräusche bei Neugeborenen gibt, wo dieses ulkige Wort dann zwischen “knattern” (Furzen oder A-a machen) und “krölpern” (spontanes Jodeln nach der Geburt) gelistet wäre.

Nun, mindestens die Wikipedia kennt “knörzen” laut Stand Januar 2010 nicht, auch Google hat im Wesentlichen zu vermerken dass “knörzen” ein Jugendslang-Begriff für “rauchen” sei – tiefere Recherche fördert dann aber zumindest einen englischen Forumseintrag zu Tage, bei dem ein Mediziner den anderen fragt, was WTF der Begriff “knörzende Atmung” in einem deutschen Patientenblatt wohl heißen möge. Nun denn:

Knörzen, auch: knörzende Atmung. Im medizinischen Sinne eine brummend-knarrende Lautäußerung von Neugeborenen beim Atmen, die auf eine erhöhte Kraftanstrengung beim Atmen hindeutet. Geht im Falle dass Ihr Kind Lena Rabea heißt innerhalb der ersten Stunde nach Geburt von alleine weg, andernfalls: Daumen drücken! Die knörzende Lautäußerung selbst kann gelegentlich auch bei gesunden Babies auftreten, z.B. als Vorstufe zum Schreien. (RabenAASsches zeitgenössisches Fremdwortwörterbuch, Band 14, Seite 16.004).

Nach Klärung des knörzenden Mysteriums durch eine kurze Zusatz-Begutachtung wurde ich zur Schwesternstation gerufen, wo eine aufgrund ausgebliebener Nachtmeldungen schon reichlich verzweifelte Neu-Oma Gislinde am Apparat auf mich wartete.

Eine kurze erleichternde Meldung der Geburt später ging ich dann – schon zur Vermeidung weiterer Beinah-Herzinfarkte anderer Anverwandter – zum Zimmer, von wo aus ich die Anruf-Lawine der erfolgten erfolgreichen Geburt lostrat. Jutta inzwischen wurde mit Lena in eine Art “Aufwachraum” neben der Schwesternstation gebracht, dessen Bezeichnung eigentlich eher “Abstellraum während wir die Papiere fertigmachen” heißen müsste. Und wo Lena schonmal von allen  anderen Neugeborenen das Liebste und Leiseste war (später erfuhr ich dann übrigens via die Virchow-Website, dass am selben Tag ein Junge mit dem vielsagenden Namen “Jyhad” hier entbunden wurde. Sollte dieser unter den anderen Anwesenden gewesen sein, verpasste ich aber meine Chance den Heiligen Krieg zu begrüßen (wobei: vielleicht heißt Jyhad ja in anderen Sprachen auch etwas weniger Drastisches … “unabsichtliches Auf-den-Fuß-treten” oder so)).

Jutta und ich hatten uns darauf verständigt, jetzt sofort Besuch zu empfangen – wir waren rund 2 Stunden nach der Geburt noch reichlich aufgedreht, wussten aber dass uns spätestens nachmittags alle Energie schlagartig verlassen würde.

Die Erste am Ort – bedingt durch eine Fehlinformation über die Besuchszeiten – war dann “Tante” Jeanette, die tatsächlich SO früh eintraf, dass ich sie als “Begleitperson zur Geburt” in den Aufwachraum bringen konnte.

Wenig später trafen dann auch Neu-Opa Bernhard und nach ihm Neu-Oma Inge sowie etwas später Neu-Opa Theo und Neu-Stiefoma Sonja ein. Und alles war den Tränen entweder nah oder erlag ihnen auch mal. Omama Gillie selbst erschien noch nicht, da sie für den heutigen Abend seit Monaten eine Feier zu ihrem 70. Geburtstag plante und durch uns davon abgebracht werden konnte, diese noch kurzfristig abzusagen.

Gegen Abend schließlich kehrte bei uns Ruhe ein, und mit Erlaubnis von Mutter und Kind zog ich mich auf anderthalb Stunden in den nahegelegenen “Deichgrafen” zurück, um eine vor wenigen Tagen von Jutta für mich besorgte “Siegeszigarre” zu rauchen, die hervorragenden Nachos mit Chili con carne zu schlemmen, einen interessanten und sehr leckeren “Bockbier-Likör” zu probieren (was es alles gibt) und eine Weile meinen eigenen Gedanken nachhängen zu können.

Die Zeit im Familienzimmer – auch und gerade die erste Nacht – war natürlich aufregend, und Gottlob waren wir alle drei so fertig dass wir trotz aller Aufregung guten Schlaf fanden (tatsächlich habe ich seither noch nicht wieder so gut und lang geschlafen…).

Am nächsten Tag – dem höchst binären 10.01.10 – kamen dann am Nachmittag Gillie, Pattilie und Xenia zu Besuch, von denen insbesondere Zweiterer geradezu ergriffen war (im Gegensatz zu beiden anderen hatte er ja – wie ich selbst noch vor wenigen Stunden – nie ein SO neu Geborenes gesehen, geschweige denn berührt und im Arm gehabt).

Für Lena sei vermerkt: Er hat Dir schon damals gesagt, dass Du in eine sehr seltsame, aber insgesamt liebenswerte Familie hineingeboren wurdest. Und versprochen, Dir die Geheimnisse des Kölner Karnevals zu zeigen.

Äh. Danke. Denke ich…  :)

Da man gewisse Dinge auch gern mehrmals feiern kann, begleitete ich die drei einmal mehr in den Deichgrafen, wo kräftig geschlemmt und auch ein bisschen zugeprostet wurde. Jutta hatte die ungnädige Aufgabe, allein und waidwund zu bleiben, trug dies aber entweder mit enormer Fassung oder es gefiel ihr tatsächlich ganz gut, etwas ihre Ruhe zu haben.

Am Montag – dem immer noch binären 11.01.10 – fand dann die zweite Vorsorgeuntersuchung (U2) statt. Lena hatte Gewicht verloren und wog nur noch knapp 2.800 Gramm – normal nach der Geburt, bei ihr als Frühchen aber durchaus Anlass, es in Zukunft im Auge zu behalten – und hatte einen in den Augen des Kinderarztes auffälligen Gelbstich, der zwar ebenfalls nichts Ungewöhnliches sei, wegen dem wir aber morgen nochmal zur Kontrolle vorbeikommen sollten (tatsächlich ist Gelbsucht bei Neugeborenen und speziell Frühchen sehr sehr normal und in den allermeisten Fällen völlig harmlos – dennoch beunruhigt einen das als Neueltern schon sehr, zudem wenn eben eine MASSIVE Erhöhung der Bilirubinwerte konsequenter Weise auch MASSIV gefährlich sein kann).

Nichtsdestotrotz: Wir würden heute entlassen werden. Und das bedeutete für Papa Andreas erstmal eine MASSIV überhastete Einkaufs(tor)tour für alles, was einem 4 Wochen vor der erwarteten Geburt alles noch so fehlt – darunter Verschiedenes, mit dessen Hilfe man das Baby erst überhaupt bei Schnee und Frost nach Hause bringen kann.

Als unerwartetes Hindernis erwies sich dabei, dass auch unser Baby-Stammladen “Happy Baby” in der Müllerstraße (für dessen super-kompetente “das ist Quatsch, das braucht man eigentlich nicht” Einkaufsberatung in Rekordzeit ich mich speziell als Mann herzlichst bedanken will) keine Mützen in Kopfgröße 33 hatte. Mützengrößen fangen nämlich üblicher Weise erst ein Stück größer an – 33, das ist mehr so Puppengröße, weswegen man mich zu Karstadt und dort zur “Baby Born” Kollektion schickte. Die hatte zwar nichts Passendes auf Lager (sofern man 33er Bauarbeiter-Puppenhelme aus Hartfilz als nur mäßig zweckdienlich betrachtet), dafür fand ich wenig später bei C&A eine 37er Mütze, die – grob gepeilt, man kennt ja als Vater-Schrägstrich-Zeichner die Größe des Kopfs seiner Tochter, gell? – passend schien. Und tatsächlich wie angegossen passte.

Alles in allem fand der Umzug in die heimische Wohnung um einiges später statt als gedacht, und für den Rabenvater sollte es noch etwas später werden: Der nämlich fuhr noch weitere zweimal los, zur Apotheke, um weiteres Equipment heranzuschaffen (eine Muttermilch-Zapfanlage bzw. Mama-Melkmaschine hatten wir schon auf der Rückfahrt geholt).

Die erste Nacht daheim verlief überaus friedlich — zwar unterbrochen von den zu erwartenden Fütterpausen und noch in einem abwechselnden Schichtschlafsystem, aber wir hatten es uns übler vorgestellt.

Etwas anders sah es dann am Folgetag aus:

Bereits morgens war ein drängender Anruf auf dem AB, in dem Hilfe bei einem Projekt auf Arbeit erbeten wurde (bedingt durch die verfrühte Geburt war natürlich alles völlig unorganisiert abgebrochen worden). Soweit kein Problem – nur gab es da ja noch die Untersuchung im Virchow, bei dem nochmal ein Blick auf die Gelbsucht geworfen werden sollte.

Zwar hatten wir den Eindruck, unser ADAC Helferlein (der gelbe Engel Lena) sei schon etwas weniger gelb geworden, ein entsprechender Licht-Check brachte aber das gegenteilige Ergebnis (Bilirubin-Wert bei der U2 war bei etwa 12, nun sollte er auf über 17 geklettert sein).

Um Gewissheit zu haben, musste nun ein Bluttest her, was in der Klinik etwas organisatorisches Chaos verursachte: Der Kinderarzt – ein wahnsinnig netter und noch recht junger Mann – erklärte gegen alle Einwürfe der Schwestern, dass es ihn nicht im geringsten schere dass wir schon entlassen seien und ein Test nur durch Neuaufnahmei via Erste Hilfe der Kinderklinik erfolgen könne, er nehme jetzt Blut ab und dann soll das Labor gefälligst seine Arbeit tun. Die Schwestern hingegen mussten ihre Verwaltungsvorschriften beachten, hatten in der Schwangerenstation keine betreffend korrekt ausgedruckten Blutampullen-Aufkleber und so watschelte ich eben – das Blut meiner Tochter in Händen plus handschriftlichen Notizzettel – zur Ersten Hilfe, um dort die Probe abzugeben, unterdessen Jutta und Lena im Still-Café blieben.

Danach – es würde jetzt 1 Stunde dauern, bis ein Ergebnis vorliegt – fuhr ich zur Agentur, um weitere zehn Stunden an meinem Lieblingsprojekt zu ackern. Immerhin deutlich entspannter, nachdem die Meldung kam dass der Bilirubinwert tatsächlich auf unter 10 gefallen sei – der Lichttest sei eben tatsächlich nur ein Vorab-Test, dessen Ergebnis nie ganz eindeutig ist.

Übrigens: Raten sie, wer sofort Gewehr bei Fuß stand, Jutta und Lena nach Hause zu kutschieren. Genau: der unersetzbare Trauzeuge Alexander. Dessen Mutter uns inzwischen schon die zweite Garnitur Babysachen gestrickt hat. Sollt leben, ihr zwei! Seid beide Schatzies!

Während ich auf Arbeit war, haben daheim auch schon die Nachbarn das Kleine in Augenschein genommen. Unser Haus ist einfach toll: Die meisten hier sind aus dem ehemligen Jugoslawien und schon seit den 50ern/60ern im Haus. Aus früheren Kindern sind zum Teil Erwachsene, teilweise selbst schon wieder Eltern geworden, man kennt sich, grüßt sich, hilft sich, leiht sich Sachen, der Türsummer geht magischer Weise, wenn man beide Hände voll mit Einkäufen hat, oft bekommt man sogar Hilfe beim Tragen angeboten oder sieht, auf dem Balkon sitzend, plötzlich ein Körbchen mit Frischgebackenem neben sich herab schweben, weil Seneta gerade etwas fertig hatte. Einfach toll.

Weniger toll, ja, sogar recht schlimm ist dafür die Nacht zum 13. Januar: Lena hat schlimme Bauchschmerzen, und alle tollen Beruhigungsgriffe der letzten paar Tage helfen nicht. Das arme Ding schreit, bis es heiser ist, und nichts scheint zu helfen. Unterm Strich schreit Lena nicht lange – generell nicht, und genau genommen selbst in jener Nacht nicht – aber man BEGINNT zu ahnen, was Eltern von Schrei-Babies durchmachen.

Der Grund für Lenas Ungemach ist übrigens ganz banal: Die Vormilch versiegt, die “richtige” Muttermilch schießt eben erst ein, das heißt das Kind kriegt vorübergehend nicht genug Milch UND dann auch noch sozusagen die “Falsche”, muss noch ehe sie 1 Woche auf Erden ist zum zweiten Mal ihre Verdauung umstellen.

Hebamme Otremba weiß natürlich Rat, am nächsten Tag, und obwohl Lena auch in kommenden Tagen und Wochen gelegentlich Probleme mit Bauchweh haben wird (inkl. dass sie manchmal nicht bäuern kann oder mehr reinsaugt, als sie raus… -äh- …macht) helfen Tee und Massage, vor allem aber auch Geduld und das unverzichtbare Körner- bzw. Kirschkernkissen das Schlimmste zu lindern. Für Baby und Eltern.

Die notwendige Apothekentour zur Beschaffung der diversen Wundermittelchen wird natürlich wieder von Papa besorgt, der außerdem einen gewaltigen Koffer mit (gemieteter) Baby-Digitalwaage anschleppt. Gegen Abend kommen dann noch Theo und Sonja zu Besuch, bringen ein wirklich köstliches Schwarzwälder Brot mit Nüssen und “Stinkekäse” mit und sind von ihrer Enkelin wieder hin und weg, gerührt und sprachlos in Freudenstarre vor dem knisternden LCD-Kamin geschockt.

Einen Tag später – die Nacht verlief bereits deutlich besser – darf auf eigenen Wunsch die von Lagerkoller gerittene Mama tun, was sonst der Rabenvater darf: Losflattern zur Apotheke (genauer: VIER Apotheken), diesmal nach homöopathischen Kügelchen, die zwar Quatsch sind, aber das scheint Lenas Magen nicht zu wissen: Sie helfen ihr.

Der 14. Januar sieht außerdem den Besuch beider Omas -Inge und Gillie – bei denen man förmlich zusehen kann, wie lange brach gefallene Hirnareale plötzlich neu befeuert werden und tot geglaubte Datenbanken der Säuglingspflege plötzlich wieder zum Leben erwachen.

Stolz sind wir Eltern bei all dem eigentlich weniger, Lena gemacht und auf die Welt gebracht zu haben – das ist schließlich evolutionsbedingt nicht SO die Schwierigkeit, bzw. wir haben wenig Anteil am dahinter stehenden Wunder – sondern dass und wie gut es uns gelingt, für Lena zu sorgen und unser Nest wahrhaft heimelig zu machen. Was unsere eigenen Eltern irgendwie in fast schon unverschämter Weise zu überraschen scheint. *g*

Vorsichtige allererste Begegnung des sonst meist eingesperrten Sittichs "Richard III." (Ricky für Freunde, laut eigenen Angaben "RrrrikRrrrikRickyRickyRickyRicky-SüSüSüßaa-SüßSüßSüßaaa-NaDuVoVo-VoVo-Vogel") mit dem neuen Küken

Am Freitag dann erste Besuche von Freunden: Nachmittags kommt Katja vorbei und bestätigt, dass Lena nun auf Platz 1 ihrer internen Süße-Baby-Charts gerutscht ist (was Leute alles so haben), abends dann experimentell und erstmals D&D, wobei Lena die Ehre hat noch ehe sie 1 Woche alt ist mit Papa kurzzeitig hinter dem SL-Schirm zu sitzen, und sogar 1x zu würfeln.

Die Next Generation ist heran.

Lena ist da!

Am 9. Januar 2010 um exakt 6:23 Uhr morgens kam sie zur Welt:

Lena Rabea, 2910 g schwer, 48 cm groß und vier Wochen zu früh, weil sie unbedingt ein Steinbock (Aszendent Schütze) werden wollte.

Womit nun Inge, Jutta, Gislinde und Lena immer gemeinsam Jubiläen und runde Geburtstage feiern werden, und innerhalb meiner Sippe das Geburtstagsfeiern im Januar kein Ende nimmt, beginnend bei Jutta, gefolgt von Gislinde, über Lena (an deren Geburtstag Oma Gislinde groß ihren Siebzigsten feierte – ohne uns *g*) bis zu Bruder Patrick.

Hach ja. Steinböcke eben.

Das volle Album der Lena Babybilder gibt es HIER.

Lena kommt!

Berlin. Kurfürstendamm. Ein Chinesisches Restaurant, wie es viele gibt. Donnerstägliche Routine. Wenig Gäste. Viel Personal. Zu viele Speisen. Ein seit vierzehn Jahren reservierter Tisch mit Sonderwunsch: Sekt soll serviert werden. Er wird es nicht.

“Schatz, ich glaube meine Fruchtblase ist gepatzt.”

Stutzen.

“Tjaaa, dann sollten wir wohl mal ins Krankenhaus fahren. Ihr bleibt einfach sitzen und esst in Ruhe weiter.”

Der Mann erhebt sich, hilft der Schwangeren in den Mantel, man geht in Ruhe raus. Der Mann kommt nochmal zurück, gibt eine Tasche ab, die noch im Auto liegt.

Unrealistisch? Hollywood? Genau so passiert. Beim nachgeholten Nachweihnachtstreffen mit Theo und Sonja und Gelegenheitsnutzen des Aufenthaltes von Bernhard plus Angelika in Berlin für ein (für Verhältnisse dieser Familie) spontanes Tête-à-tête-à-tête-à-tête-à-tête-à-tête der Väter des Rabenpaares mit ebenjenem.

Ganz ehrlich: Ich weiß nicht, was ich erwartet habe, wie die Geburt ablaufen würde. Oder wie ich auf die Nachricht, dass es losgehe – wann, wo und wie auch immer sie mich erreichen würde – reagieren würde.

Zwar war ich mir einigermaßen sicher, dass ich nicht in heillose Panik verfallen würde – aber SO eine coole Sau, wie ich dann war, wow, das überraschte mich dann doch. Schlagartig war jeder Gedanke an Angst, Unsicherheit, Panik vergessen: Ich brachte Jutta zum Auto, half ihr Einsteigen, brachte Bernhard seine Tasche, ging zurück und fuhr Jutta ins Virchow-Klinikum, als würde ich tagaus-tagein nix anderes machen. Trotz Schnee und Glätte.

Jutta im modisch-praktischen "auch Fruchtwasser ist nass" Dress

Im Virchow-Klinikum angekommen (“Entschuldigung, ich hab ne Schwangere mit Blasensprung hintendrin?” “Mittelallee, Gebäude 9″) verfrachteten ich Jutta zur Entbindungsstation, wo erst einmal ausgiebiges Babyherzton- und Wehenschreiben (CTG) angesagt war.

Lenas Herztöne nämlich hatten bereits am Mittwoch, den 6. Januar, die Aufmerksamkeit der Frauenärztin erregt, weswegen Jutta heute (am 7. Januar) bereits eine tüchtige Zeit beim CTG-Schreiben zugebracht hatte.

Nunja, jetzt wussten wir wenigstens, warum Lenas Herztonfrequenz erhöht waren: Sie wusste längst, was wir noch nicht ahnten – dass es losgeht!

Jutta im glücklicherweise freien Familiezimmer mit dezent gefärbtem Verband für alle nötigen Anschlüsse (Tropf, Cinch, AV, Dolby Surround)

Schnell stand fest: Ja, es war die Fruchtblase geplatzt. Also würde man das Kind versuchen in den nächsten 48 Stunden zu holen. Denn: Zwar war Klein-Lena 4 Wochen zu früh dran, aber in der 36. Woche (plus Null) ausreichend entwickelt, um eine Geburt problemlos verantworten zu können.

Auf Juttas halbscherzend gemeinte Frage, ob das “Familienzimmer” frei sei – ein Krankenzimmer für Mutter und Vater gemeinsam – lautete die Antwort: “Was? Öh. Ja, tatsächlich.” Und schon flitzte Andreas ab nach Hause, um das Nötigste zumindest für die angebrochene Nacht zu holen. Und trockene Kleidung für Jutta.

So verbrachten wir unsere erste Nacht im Familienzimmer. Morgen früh würde die Geburt eingeleitet werden, der Geburtstag würde also der 8. Januar sein.

Weit gefehlt, ihr Lieben! Einmal mehr.

Denn was frühmorgens mit einem Wehen einleitenden Mittelchen begann, würde noch seeehr lange dauern. Immer wieder während des Tages hieß es: Ab zum Wehenschreiber. Immer wieder mit dem Ergebnis, dass es noch lange nicht so weit sei – das Kind sitze einfach nochzu weit oben.

Gegen 18 Uhr dann: Erste echte Wehen (nicht dieses sissymäßige Unterleibsziehen). Und diese würden noch viel heftiger werden.

Ich glaube, am Besten drückte es eine der Hebammen auf der Station aus: “Können sie während der Schmerzwelle noch reden? Dann ist es keine Wehe”. Wie recht sie haben sollte.

Jutta quälte sich tapfer. Sie setzte auf körpereigene Endorphine, welche die Geburt erträglich machen sollten. Dachte, wünschte, sehnte sie herbei, gab ihnen Namen und zog ihnen hübsche Kleidchen an. Aber wo immer die Endorphine gerade abhingen: Zu Jutta kamen sie nicht.

So marschierten wir also Nachts durch die Klinik. Badeten in der Gebärwanne. Lagen auf der Pritsche. Hockten auf aufgeblasenen Bällen oder standen herum. Jutta immer leiser werdend, dafür während der Wehe immer heftiger diese “veratmend”, meist eingehängt in mich, der eifrig mitatmete und im Laufe der Nacht ebenfalls echte Schmerzen bekam – zumindest im Rücken.

Schließlich rief Jutta unsere Hebamme in die Klinik. Was trotz erheblicher Entfernung – sie wohnt in Glienicke – kein allzu großes Drama für sie war, denn unerwarteter Weise sollten im Laufe der Nacht und des Tages noch weitere drei ihrer Schützlige entbinden.

Deren erste Weisung an Jutta im übrigen: “Hören Sie auf sich zu quälen. Wir machen eine PDA”. Und ehe hier irgendjemand schümpft ob dieen Eingriffs in eine natürliche Geburt: Jutta hatte mittlerweile alle 30 Sekunden bis Minute heftige Wehen, die aber nur einige Sekunden dauerten und insgesamt sehr unproduktiv waren. Und erkennbarer Weise noch ewig weitergehen würden. Mit anderen Worten:

Viel Schmerz, kaum Effekt.

PDA ist toll

Mit erfolgreich verlegter PDA war Jutta wesentlich entspannter. Und Papa Andreas funktionierte auf Drängen der Hebamme drei Stühle und einen Beistelltisch zum Instant-Bett um. Und bekam so wenigstens 1 Stunde Schlaf.

Danach ging es dann weiter. In der Hifi-Anlage lief der von uns mitgebrachte Soundtrack von “Grey’s Anatomy” rauf und runter, dazu Maria Mena und Katie Meluah. Gegen Morgen wurden die Schmerzen drängender, traten Presswehen ein – und die dämpfte auch die 4x höher dosierte PDA nicht mehr.

Alles war startbereit, als die Hebamme beim Abtasten des Bauches die Stirn in Falten legte. Irgendetwas sei noch nicht so gedreht, wie es sollte – Lena hatte offenbar entschieden vor, als “Sterngucker” zur Welt zu kommen – ein Ultrashall plus Begutachtung durch eine Ärztin sollten Klarheit bringen, dann könne es “sofort” losgehen.

Nun ja.

“Sofort” - gegen 5:00 – kam erstmal ein Notkaiserschnitt in einem benachbarten OP. Und der rief alle Kräfte kurzfristig von Juttas Seite, verbunden mit der Weisung,3 die Wehen zu veratmen und sich das Pressen erstmal wieder zu klemmen.

45 Minuten sind SEHR lange, wenn man Schmerzen hat. Und ebenso lange, wenn man ihnen zusehen muss und Mut zu machen versucht. Und etwas Sorgen hat, was der Ultraschall wohl bringen mag.

Schließlich, endlich, finally kam die Hebamme zurück, die Ärztin im Schlepptau, das Ultraschallgerät auch. Dieses weigerte sich erstmal zu funktionieren, also gschwind ein weiteres her.

Dann: Gefummele, Geultraschalle, gerunzelte Augenbrauen und Kommunikation zwischen Hebamme und Ärztin in obskuren Begriffen, die auch prima zur Schachweltmeisterschaft gepasst hätten (“Die drei ist auf vier. Wo ist die sieben? Bauer auf E5!”)

Die Ärztin lächelt aufmunternd (kein gutes Zeichen), will nur mal eben noch jemand fragen (gaaaar kein gutes Zeichen) und als der Jemand kommt, ist es der Oberarzt. Um just die anwesende Hebamme bei der damaligen Einführungsveranstaltung zu zitieren:

“Sie wollen nicht, dass der Oberarzt bei ihrer Geburt dabei ist. Wenn der Oberarzt kommt, ist etwas nicht in Ordnung. Wenn Sie den Oberarzt sehen: Rennen Sie!”

Schade, dass es nur eine walking PDA gibt. Die Juttas Beine übrigens tüchtig kaltgestellt hatte.

Weitere sorgenvolle Blicke. Der Arzt guckt. Fummelt. Nickt. Und gibt Bob den Baumeister: “Wir schaffen das”. Allerdings: Mit Saugglocke. Und -äh- ETWAS mehr Eile, denn auf den Ausdrucken des CTG-Schreibers zählen die Bögen bereits den Countdown hinunter:

Fünf … vier …

Bei Blatt drei geht es los. Ich gehe Football-mäßig an Juttas Kopf in Stellung. Nix mit “Lassen Sie sich von der Schwerkraft helfen”. Nichts mit “heutzutage ist Geburt im Liegen längst überholt”. Unweigerlich muss ich an einige wohlmeinende Bücher, Artikel und eine Geburts-DVD denken. Und will mein Geld zurück. Die Füße werden aufgebockt, ein Metallding angesetzt, Jutta bekommt Anweisungen, die ich ihr übersetze und auf das Relevante verdichte, denn die Frau hat Schmerzen, herrje!

Feuer frei! Kopf nach vorne! PRESSENPRESSENPRESSENWEITERPRESSENWEITERWEITERWEITER – wer mal Betrunkenen beim Alkoholtest zugesehen hat, kennt das Prozedere. Nur dass sich dabei normaler Weise kein Oberazt mit zwei Händen in den Bauch stemmt und einen auspresst wie eine alte Tube Zahnpasta, während vorne eine Ärztin an einem Metalldings (der Saugglocke) zerrt und die Hebamme eine Schnitt setzt.

Die Malträtur wird 2x wiederholt, dann ist das Köpfchen draußen. Und regt sich nicht. Das soll es auch gar nicht, aber was weiß der Adrenalingeschüttelte Vater schon in dieser Sekunde? Alles geht so schnell, und mit einem Male werden alle Horrorszenarien, was alles schiefgehen könnte, wieder sehr real. Was wenn das Kind stirbt? Was wenn Jutta stirbt? Sie wollte dass nur dem Kind geholfen wird. Ach ja, und Organe spenden will sie auch. Gespräche vom Beginn der Nacht.

Nicht pressen, Schatz, erst bei der nächsten Wehe, nur noch ein Mal, komm, JETZT!

Was? Kommt sie?

JA! JA! Pressenpressenpressenweiterweiterweiterweiter …

Dann ist Lena da. Flupps. Schnell. Schreit sofort. Schreit mit geöffneten Augen, schreit herrlich, der schönste Ton der Welt, schreit, die Unterlippe fordernd-beleidigt vorgestülpt, und bei Gott: Sie sieht jeden reihum einmal an, mit einem Ausdruck, der sagt: “Ihr werdet von meinem Anwalt hören!”

Gut, der Kopf ist ein bisschen Alien-mäßig nach hinten verlängert, Folge der Saugglocke. Egal. Sie lebt. Schreit. Lebt. Jutta auch. Und über mir gießen sich alle Endorphine der Welt aus, auch Juttas, auf die sie vergeblich gewartet hat.

Durch den körpereigenen Drogennebel kommt die Stimme der Hebamme: Nabelschnur durchschneiden. Auch das: Kein Problem. I was made for this shit. Soll ich noch wen operieren? Kein Ding! Oh Gott. Nach der Geburt definitiv nicht mit schweren Maschinen hantieren.

Lena ist geboren.

Und Mama und Papa auch.

So also startete 2010. Unerwartet. Und so sollte es auch bleiben.

So lächelt nur jemand, der denkt es seien noch mindestens vier Wochen hin bis zur Vaterschaft

Im Januar 2010 waren wir insgesamt “bereit” für das Baby. Das dann sogar inzwischen einen Namen bekam:

“Lena” setzte sich gegen den Langzeitfavoriten “Sofia/Sophia/Sofie/Sophie” durch, und das alleine aufgrund ihrer im Mutterleib ausgeprägt rüpelhaften Persönlichkeit: Während wir uns eine Sofie oder Sophia stets klein, zärtlich, zerbrechlich und etwas scheu vorstellten, vermittelte uns der Name “Lena” den Eindruck eines vor Selbstbewusstsein strotzenden Mädchens – eben genau eines solchen “Görs”, dass “Mutti” im Mutterleib genussvoll mit Tritten in Rippen, Blase und Co. malträtieren würde. Was Lena ganz zweifellos meisterlich beherrschte.

Alles entspannt auch beim Mutterschiff. Little does she know...

Einiges hatten wir zwar noch zu tun – unter anderem die neue Hebamme Regina kennenlernen, nachdem die vormalige Hebamme – selbst schwanger – wegen Komplikationen absagen musste und deren vorgesehene Vertretung – inzwischen auch schwanger – gleichsam ausfiel.

Lustiger Weise kannten wir Regina bereits: Sie war die “Chefhebamme” gewesen, die vor gefühlten Äonen den “Informationsabend für werdende Eltern” im Virchow-Klinikum bestritt und uns schon damals positiv auffiel als extrem kompetente und dabei nüchterne (will meinen: entschiedene) Frau, die notfalls auch einem Arzt die Zähne zeigen würde. Ohne umgekehrt auf dem Hippie-Trip der gehechelten Naturgeburt zu wandeln.

Im übrigen, um das ein für allemal klarzustellen, war MIR ohnehin klar, dass Lena ein Steinbock werden würde. Und das habe ich auch wider alle damalige Wahrscheinlichkeit vor Zeugen gesagt, jawoll.

“Angesagt” war ihre Geburt zwar erst für den 5. Februar – was dicke im Wassermann-Bereich liegt, umso mehr als Erstgebärende ja “eigentlich” vermehrt verspätet niederkommen – aber als Sohn einer -äh- Steinböckin(?) und Bruder eines Steinbocks-Aszendent-Steinbock, der das Gebocke und allzuoft überflüssige Gegeneinander-Anrennen dieser Spezies von Kindesbeinen an kannte und nun zu allem Überfluss auch noch mit einer Steinböckin verheiratet war KONNTE es gar nicht anders sein, dass mein Töchterlein auch ein solches Hörnertier werden würde.

Für die Akten: Das nächste Kind wird im Januar gezeugt. Auf dass es eine Waage werde.

Die letzten Tage und Nächte vor “dem Ereignis” verbrachten Jutta und ich in jedem Fall nichtsahnend. Sie im Mutterschutz, konzeptionell und straff organisiert die nächsten 3-4 Wochen bis zur Geburt durchplanend (sans commentaire), er versuchend das krankheitsbedingt auf Arbeit Liegengebliebene aufzuholen (Codename “Die Powerpoint aus der Hölle”).

Bis …

Lies nur. Das nützt Dir jetzt auch nichts mehr.

Es wurde also Ernst, zum Ende des Jahres 2009 hin. Und das bedeutete: Das letzte Mal Weihnachten und Silvester “ohne”.

Und das war – ist – gar nicht mal so ohne, wie man denkt. Jutta und ich sind beide “Prä-Patchwork”: Während es heute scheinbar zum guten Ton gehört, nicht nur geschiedene Eltern zu haben, sondern auch neue Stiefeltern samt Stiefgeschwistern, -omas, -opas, -enkeln, -katzen und Co. haben Jutta und ich “nur” je 2 Familienteile (Mütter und Väter) zu Weihnachten “abzuwickeln”.

Und das sah in den vergangenen Jahren – und eben letztmalig 2009 – so aus:

  • Am 23. Dezember “Bruderabend” mit Jahresrückblick der Brüder vor laufender Kamera (das Videoblog, ehe es Videoblogs gab, nämlich seit -uh- 1994?).
  • Heiligabend “getrennte Weihnachten” mit Andreas bei seiner und Jutta bei ihrer Mutter, jew. nebst Geschwistern.
  • 1. Weihnachten “gemeinsame Weihnachten bei Andreas’ Mutter + Bruder”.
  • 2. Weihnachten “gemeinsame Weihnachten bei Juttas Mutter + Schwestern.
  • Und danach dann bis Silvester irgendwann noch “Zwischendenjahrentreffen” von Jutta und Andreas mit dessen Vater plus Frau.

Ein recht hübsches Programm. Von dem wir wollen, dass es 2010 – wenn wir dann selbst eine Familie sind – eine neue Tradition geben wird, deren fester Bestandteil sein soll dass der Heiligabend nicht mehr getrennt, sondern “als Familie” mit Vater, Mutter, Kind verbracht wird. Wie immer das dann laufen wird.

Aber egal: 2009 hätte nochmal alles “wie immer” laufen sollen. Was es dann natürlich nicht ganz tat. Denn als Jutta und ich gerade fertig waren mit dem alljährlichen Einkauf der heroischen Vorratsmengen und eine kleine Frühstückspause machten (sie Bäcker, süße Teilchen, er zwo Currywurst plus Pommes, sehr gesund also) rief Pattilie an und vermeldete, ihn habe ein übles-Magen-Darm-Fieber-Dings erwischt (natürlich Schweinegrippe).

Also nix mit Brudermeeting in der JuttAASschen Wohnung, stattdessen Instant-Plan: Treffen der Brüder in Kladowia, Kaminzimmer. Damit der arme große Blonde sich notfalls in Bett packen kann (dass beide im Kaminzimmer rauchen dürfen – Pattilie Zigaretten, Nichtraucher AAS seine weihnachtliche Pfeife (dieses Jahr mangels Danish Truffles: Maple Rum) – war gewiss ein kleines Plus. Dass die hochschwanger Jutta nicht aus der Wohnung geworfen werden musste, ein Großes.

Den Umständen entsprechend war das Brudertreffen eines der kürzesten aller Zeiten: Pattilie mühte sich redlich, erlag aber schließlich dem geballten Ansturm der Schweinepest- und Cholera-Erreger.

Überhaupt mutete sich der Herr Bruder einiges zu: Sturer Steinbock, der er ist (UND Aszendent Steinbock!), weigerte er sich meistenteils sein Siechtum zur Kenntnis zu nehmen, schlug wohlgemeinte mütterliche Ratschläge mit Vehemenz und Verve in den Wind, ließ nicht ab von allem, was dem Körper zumindest keine Hilfe ist und überraschte und unterhielt das festliche Familienrund mit dem ein oder anderen Anfall. Was fällt den anderen schließlich ein, gesund zu sein? *gg*

Zuweilen war der Heiligabend damit “un peu bizarre”, wie der Portugiese sagt. In jedem Fall hatte le frère die Freck und ließ andere daran teilhaben – und mich nicht nur verbal, sondern auch auf höchst infektiöse Weise, wie ich freilich erst ach Atzes Abfuhr nach Köln erfahren sollte. Doch davon später.

Zunächst einmal verlebten wir satte Tage in Kladow, um dann zum großen Familientreffen – samt Besuch entfernter (lebender) Verwandter, nämlich Juttas Bruder nebst Frau – zu Inge zu fahren.

Mal ehrlich: Unterschiedlicher als unsere und deren Familientreffen könnte es kaum sein. Ist schwer zu beschreiben, und keine Art ist in sich besser oder schlechter. Nur eben … anders.

Jedenfalls: Nach den Feiertagen hätte ich “durcharbeiten” sollen, weil ich ja Urlaub für 2010 aufsparen wollte, fürs Baby und so. Daraus wurde freilich nichts, denn nachdem ich die Feiertage gesund verlebte und gesund und vor kraft strotzend mit Jutta am Sonntag, den 27.12., ins Schwimmbad ging, erlebte ich wenige Minuten nach Heimkehr den beeindruckendsten Krankheitsausbruch meines bisherigen Lebens, zumindest was dessen Geschwindigkeit angeht:

Um 10:00 Uhr noch fröhlich am Schwimmen, kurz nach 11:00 wieder daheim am Telefonieren mit Muttern, WÄHREND DES TELEFONATS plötzlicher körperumfassender Kälteeinbruch, wenige Minuten später Schüttelfrost, Fieber, technischer K.O.

Das war schon keine Schweinegrippe mehr, das war Rinderwahnsinn!

Arbeit und eigentlich geplante Abendaktivitäten – darunter zwei Geburtstage und eben das Treffen mit Theo und Sonja – fielen also flach, für Silvester hatten wir Gottlob eh nichts Besonderes vor.

Im Gegenteil: Dieses würde ja “unser letztes Silvester zu zweit” sein, und exakt so wollten wir es auch verbringen: Besinnlich, ruhig, philosophierend über das Kommende, mit Raclette. Sogar mit Caractère.

Freilich kam es auch dazu nicht: Ein Freund von Jutta wollte Silvester nicht alleine verbringen und war zu diesem Behufe aus der Ferne mit einer Kommilitonin nach Berlin gefahren. Jene nun erhielt am 31.12. Nachricht von einem Trauerfall in der Familie, reiste natürlich umgehebnd ab – tja, und ließ dem Zurückgebliebenen keine Wahl, als entweder in der Silvesternacht kurzfristig eine Zugverbindung nach Hause zu suchen und tüchtig draufzuzahlen … oder.

Und weil wir herzensgute Menschen sind, nötigten wir den guten förmlich, das einzig Vernünftige zu tun: nämlich bei uns Silvester zu verbringen. Und das war dann sogar ganz nett. :)

Jutta in der Silvesternacht, dick eingemummelt auf dem Balkon

Elter werden

Ein Kind zu bekommen – das sagen viele der Ratgeber zum Thema, witzige wie ernst gemeinte – sei immer auch eine erneute eigene Geburt.

Was diese Ratgeber indes verschweigen – oder wenigstens nicht hervorheben – ist dass in jedem Anfang auch ein Ende ruht: Der Geburt als Mutter oder Vater also auch immer der Tod dessen vorausgeht, der man vorher war. Oder es einem wenigstens so vorkommen mag.

Der rote Salon vor der Verwandlung zum praktischen Wohn-/Esszimmer

Für mich war dieser Moment der Wahrheit im November 2009 gekommen: Nachdem man sich schon so lange an den Gedanken gewöhnt hatte, dass da “irgendwann in vielen Monaten” ein Kind kommen würde – so sehr gewöhnt, dass der Gedanke schon banal, irreal wurde – brachen im November gleich mehrere Wellen über mich hinein, die sehr deutlich machten:

Es geht zu Ende mit Dir, Andreas!

Ich will das aus heutiger Sicht – “heute” ist der 18. Januar 2010, und Lena ist geboren und 9 Tage alt – etwas relativieren: Man nimmt dann tatsächlich, wenn es soweit ist, den Wechsel vom Davor-sein zum Vater- bzw. Mutter-Sein nicht wirklich als “Tod” und “Wiedergeburt” wahr.

Ich zumindest nicht.

Tatsächlich fühle ich mich immer noch wie “ich” – genau so, wie ich schon mein ganzes Leben immer wieder mal damit rechnete, mich irgendwann “anders” zu fühlen, mich in “den Erwachsenen”, “den Berufstätigen”, “den Verlobten”, “den Ehemann”, “den Geschiedenen”, “den zweimal Verheirateten” zu verwandeln, bin ich auch dieses Mal “einfach ich” geblieben:

Der Junge, der in der “Hool” unterhalb der Überhofener Straße spielte. Der auf dem Dach des Wertheim zur Malschule ging. Der als (Fast-)Volljähriger in den Achtzigern am Liebsten alleine loszog und das Wochenende in der “Langen Nacht” im “Marmorhaus” Kino verbrachte (3 x 3 meist grottenschlechte Filme tief Nachts für 6 DM Eintritt), davor oder danach in der Spielothek über dem Ku’Dorf  Videogames zockte oder ins benachbarte “Level” bzw. “Chaplin’s Garden” bzw. “Sly” ging, um dann stundenlang in die Morgendämmerung nach Kladow zu fahren.  Der seit er 13 Jahre alt ist einen Großteil seiner Zeit mit Rollenspielen verbracht hat, was der Großteil seiner Familie bis heute nicht versteht. Der einen Nachtclub gründete und 3 Jahre betrieb – nebenher, neben der Arbeit – nur um etwas zu machen, was er garantiert nie tun würde.

Das “Problem” am Vaterwerden ist, dass man sehr deutlich begreift, dass da etwas auf einen zukommt, aber man keinen blassen Schimmer hat, wie “es” sich anfühlen wird. Wie es weitergeht.

Insofern ist das ganze Ratgeber-Gerede von der wundersamen Wiedergeburt als Vater erstmal genau das: Phrasengedresche und inhaltloses Gewäsch.

Der Stolz meines Haushaltes "Prä Baby": Das Spielzimmer mit Spieleschrabnk (links), Computerschrank (rechts) und dem alles beherrschenden Spiel-/Esstisch

Dem gegenüber kommt man im letzten Drittel der Schwangerschaft – wie gesagt: November – nicht umhin, das Leben bereits umzukrempeln. Und dabei sehr spürbar und real zu “sterben”.

Dazu gehört, dass verschiedene Dinge “zum letzten Mal ohne Kind” geschehen. In meinem Fall: Der letzte Geburtstag als Nichtvater, ein letzter, langer Besuch bei meinem Bruder in Köln mit PS3-Zocken, britische Comedy-DVDs gucken, endlos in der Küche sechwadronieren und dem “Großen” auf irgendeine seiner ebenso obskuren wie endlosen Quermatschein-Wanderungen folgen (er ist der Sohn seines Vaters, eindeutig!), dann das anstehende letzte Weihnachten, das letzte Silvester.

Dieser Effekt wird noch verstärkt durch die Tipps aller Mütter und Väter da draußen, “die letzte Zeit davor zu genießen”, nochmal ins Kino zu gehen (“Avatar” rockt!), nochmal in Ruhe essen zu gehen, ins Tropical Island zu fahren (*köff*) … denn “nachher kommt ihr jahrelang zu nix mehr”.

Während man all dies quasi als Unheilsboten einer kommenden Veränderung begreift – “unheilsvoll” eben deshalb weil man sieht, DASS etwas anders sein wird, man aber nicht recht weiß, WAS dem gegenüber Positives sein wird – geschehen rings um einen mit einem Mal sehr greifbare Dinge, die das eigene Leben bereits umkrempeln, EHE das Baby auf der Bildfläche erscheint.

In meinem Fall war es so, dass nach dem WE bei meinem Bruder vom 13. bis zum 15. November umgehend der Geburtsvorbereitungskurs begann (genauer gesagt begann er sogar, während ich auf dem Weg nach Köln war – ein weiteres Meisterwerk Andreas’scher Planung, der meine Schwägerin Jin die Lage versetzte Juttas “Partner” im Kurs zu sein, wenigstens für den ersten Termin).

In einem solchen Kurs – bei dem man heutzutage entgegen aller Klischees keineswegs zu “hecheln” lernt – begegnet man gewisser Maßen sich selbst in Gestalt der anderen werdenden Väter und Mütter, und dabei bekommt man vor allem mit, was man angeblich alles schon lääängst hätte haben, besorgen, zusammenbauen, streichen, einrichten sollen.

Jutta und ich sind ECHT nicht von der verplanten Sorte (sie zumindest nicht), aber dass man etwas Banales wie einen Kinderwagen förmlich “mit Theo-Vorlauf” bestellen muss, hat uns überrascht.

Auf den “Kulturschock” des Kurses folgte somit im November sogleich der nächste Kulturschock: Babybedarfgeschäfte.

Als nichtwerdender Vater nimmt man diese meist nicht wahr. Oder fährt schulterzuckend jeden Tag an ihnen vorbei, wie ich am “Babykorb” unweit meiner früheren Studentenbude in der Motzstraße 84. Tatsächlich ein solches Geschäft zu betreten hat etwas von einer Tour in die Berliner Unterwelten oder dem sprichwörtlichen Sturz durch das Kaninchenloch:

Man entdeckt Lokalitäten und deren eigentümliche Bewohner und Besucher, und fragt sich unwillkürlich, wo diese eigentlich den Rest der vergagenen Jahre über waren.

War man so blind?

Man war es! Denn geschult durch Kurs und Shops und Literatur und eine sprunghaft wachsende Bewusstwerdenslawine sieht man mit einem Mal überall nur noch Schwangere, Kinderwagenschiebende, Schaukelnde, Schimpfende, Wippende.

Dann kommt eines Tages – bei mir ebenfalls im November – der Moment, die Wohnung für das Kind umzuräumen. Und das ist der eigentliche Moment, der sich für mich geradezu schmerzhaft anfühlte. Nach Vergehen. Nach “Ende”.

Natürlich freut man sich auf das Kind. Aber man weiß eben nicht, worauf exakt. Und währenddessen reißt man rund um sich alles ein, was man sich als Heim erschaffen hat.

Gut, vielleicht bin ich ein Sonderfall: “Meine” Wohnung ist umso mehr Ausdruck meiner Persönlichkeit, weil ich diese neu erschaffen musste. Als alles fertig und an seinem Platz war – und ich bereit, mich friedvoll in das Junggesellendasein gleiten zu lassen, zum ersten Mal in meinem Leben nicht als lästige Überbrückung zwischen zwei Partnerschaften, sondern als befreiend neuer Lebensentwurf “gern auch auf immer” – lernte ich Jutta kennen, und zu meinem großen Glück (in Bezug auf die Wohnung) fühlte sie sich dort so heimisch, dass diese weitestgehend unangetastet blieb.

Jetzt aber musste das früher intensivst verhasste und meist verwaiste “Computerzimmer” (man hätte es auch “Deponie 2″ nennen können), das ich in mein perfekt gemütliches Spiel-/Esszimmer umwandelte, in ein Kinder- und Wickelzimmer umgebaut werden. Und der Stolz des Zimmers – der massige Spiel-/Esstisch im mittelalterlichen Design – in das ebenso perfekt gestaltete Wohnzimmer (früher “Deponie 1″, jetzt “roter Salon” genannt) geschafft werden.

Eine Welt brach buchstäblich zusammen.

Natürlich war am Ende alles gar nicht so schlimm: meinem glücklichem Händchen und Juttas guten Ideen zum Dank ist auch das “neue Nest” wunderbar gemütlich, und der Spieltisch hat seine ersten beiden “Feuerproben” an neuem Ort erfolgreich hinter sich gebracht.

Aber in jenen Momenten, “damals”, in einem sich rasant ändernden Leben, in einer sich rasant ändernden Wohnung, mit Wochen voller Termine und massig Ungewissheit, da fühlte ich mich – ganz ehrlich – ganz elend manchmal.

Aber auch das gehört zum Wunder des Vaterwerdens.

Mit obigem Spruch wird jede Folge unser beider Lieblings TV Serie eröffnet. Und ehe jemand pönend die Augenbraue hochzieht: Die Serie ist wirklich gut gemacht und sehenswert. Selbst wenn man per se Arztserien eher zum abschalten findet. Oder in meinem Fall: fand.

Eigentlich kommt der Spruch hier nur rein, weil es wieder mal was zusammenzufassen gilt. Nämlich: Was bisher geschah. Also: seit 21. Oktober. Bis heute, 11. November.

Zunächst mal: Ja, wir waren floaten. Am Freitag, den 23. Oktober 2009. Und mei, war das schee. Sich im Wasser frei dümpeln zu lassen fand ich schon als Kind spitze, und diese Erfahrung wurde ja dieses Jahr schon einmal auf die Spitze getrieben, indem ich (endlich) das richtige Schnorcheln kennenlernte. Großartig was zu sehen gab es Unterwasser beim Floaten natürlich nicht – ich hätte von dem hochgradig salzigen Wasser auch nix in die Augen bekommen mögen – dafür war es aber einfach herrlich, in der geschlossenen Muschel des Spa zu schweben, der einlullenden Musik zu lauschen und dem Funkeln glitzernder Sternenlichtlein im Deckelhimmel zuzusehen.

Nach zelebriertem Schwebezustand revanchierte ich mich sogleich bei meiner Liebsten, indem wir ins unweit gelegene Brecht’s am Schiffbauerdamm gingen, um … irgendwas Leckeres zu schnabulieren. Äh. Was war es doch gleich? Ich hatte irgendwas Rehiges, Jutta etwas Karpfiges. Genau. Und Kaiserschmarrn.

Am Samstag folgte dann erstmal Kamikazekaufen und Kamikazeräumen in der Wohnung, nachdem Jutta ja den ganzen Freitagstag über schon Kamikazekochen, Kamikazebacken und Kamikazezubereiten vollführt hatte. Wir hatten zum “GEBURTStag der offenen WOHNUNGStür” geladen, und zwar mit Rücksicht auf denjenigen Kreis von Menschen, zu dem wir selbst ab nächstem Jahr gehören wollen, bereits kinderfreundlich ab 15 Uhr startend. Mit ohne Ende.

Wir waren pünktlich fertig, die Gäste – darunter auch Mütter mit und ohne Schwieger – pünktlich bereit zu Feiern, und weil die Gäste sich in mehreren Schichten ablösten, wir aber die Schicht voll durchzufeiern hatten, war ich am Ende der Schicht konsequenter Weise just das. Man möge es mir verzeihen und dem zu später Stunde beginnenden Cocktailmixing zuschreiben.

Die Bude jedenfalls war brechend voll – nein, das Wortspiel spar ich mir – und alle hatten ihren Spaß, beginnend bei Kaffee und Kuchen vor Bilderslideshow über Guitar Hero und Singstar Exzesse bis hin zu intensivst geführten Unterhaltungen wahlweise mit oder ohne Sinn.

Was den weiteren Verlauf angeht:

schedule

Am folgenden Donnerstag traf ich mich mit Ebenfalls-Oktobergeburtstagskind Sonja nebst Gatten und Gattin (ihrem und meiner) in der Garage. Klingt oll, ist aber ein Weinlokal mit sehr gutem Essen (Matjes rule!) und es war ein sehr netter Abend.

Das Wochenende verbrachten Jutta und ich in Vollrelaxation in Kladow – das heißt: wir hätten es in Totalentspannung verbracht, wenn Jutta keinen Rückfall ihrer Erkältung bekommen hätte (oder vielleicht war es auch schon eine neue Erkältung, man weiß es nicht). In der Folge hat sich Jutta dann förmlich zwangskrankschreiben lassen (ja, sie gehört zu denjenigen die man dazu prügeln muss zu Hause zu bleiben) – erst just heute ist sie soweit genesen, dass man sie (gerade so eben) wieder auf Menschheit und Arbeitswelt loslassen kann.

Weitere Dinge, die dringend der elektronischen Nachwelt zu hinterlassen oder dem seelenlosen Meer der Freizeitstalker mitzuteilen wären, gibt es an dieser Stelle nicht.

Nur soviel: Sich fortgesetzt den Östrogennebeln einer Schwangeren auszusetzen hat ganz definitiv erhebliche Auswirkungen auf das eigene männliche Befinden. Beide sind wir aktuell sehr nähebedürftig, und unsere Vorstellung eines perfekten Abends nähert sich gefährlich dem gedanklichen Leitbild von Weihnachtspostkarten aus den Fünfziger Jahren – mit dem einzigen Unterschied, dass nicht die treusorgende Ehefrau es ist, die “Papa” Schlappen und Pfeife bringt, sondern der nicht minder treusorgende Ehemann die Mama mit was auch immer sich gerade am anderen Ende der Wohnung befindet versorgt. Und das aber mit dem gleichen debil-zufriedenen Grinsen im Gesicht.

Hach, jaaa…

 

… ich jeden Taaag Gebuurtstag maaag. Ich komm noch öfter auf die Wäääält weil mir das Feiern sooo gefäääällt.

So sang schon Pumuckl, und recht hat er! Für mich war es gestern wieder mal soweit, dass ich eine volle Runde – Nummer 38 – auf dem Erde-Karussell gedreht habe. Und was für eine Runde das war! Im letzten Jahr hat sich so viel geändert, und nächstes Jahr wird es wohl noch einiges mehr werden. Darauf, jedenfalls, wiesen mich fleißig all jene hin, die mir prophezeiten dass mein Geburtstag ab nächstem Jahr ja bestenfalls eine Randnotiz und Nebensache sein werde.

Das glaube ich zwar nun nicht, aber prinzipiell finde ich es durchaus nicht erschreckend, mir vorzustellen, dass es da wichtigere Sachen auf Erden als meine Runde Nr. 39, 40, 41 … geben könnte. Ab einer gewissen Geburtstags-Zahl nimmt die exakte Bedeutung wie mir scheint eh immer mehr ab. Was nicht heißen muss, dass dieser Anlass, es krachen zu lassen, nicht willkommen wäre.

Ungewöhnlich war dieser Geburtstag schon deshal, da mein erstes Geburtstagsgeschenk in einer unerwarteten Übernahme der abendlichen Rechnung bestand, und das seitens eines Freundes, den ich just am Montag Abend das erste Mal seit … öh … 2001(?) wiedergesehen habe. Der Kontakt war quasi eine indirekte Folge von Shanes Besuch vor einigen Wochen, und wie man sich also denken kann ging es “Vampirgedöns”. Rollenspieler, nämlich, sind auch nicht anders als Kaninchenzüchter und andere Vereinsmeier, was sagen soll dass auch sie sich wegen Nichts bis aufs Messer bekriegen, belügen und hintergehen können.

Mein Montagsmeeting war denn auch eine Weile ein enger Kollege im Organisationsstab des damaligen gemeinsamen Hobbies, wechselte aber in eine “verfehdete” Gruppe Kaninchenzüchter über, da deren Spielstyle mehr seiner Natur und Neigung entsprach. DIREKT hatten wir keinen Zoff gegeneinander, aber die bewegten Zeiten damals kombiniert mit jener Form der Geistesschwachheit, die man gemeinhin als “Jugend” bezeichnet, schafften es trotzdem dass wir über Jahre kein Wort mehr miteinander wechselten, wie sich überhaupt all die Splittergrüppchen gegenseitig eifrigst ignorierten.

Das Treffen jedenfalls war grandios: Es gibt nicht allzu viele Leute in meinem direkten Umfeld – und damit meine ich: außerhalb von Facebook, Twitter und Co. – mit denen ich über “den ganzen alten Scheiß” klönen könnte. Mit AE ging das ganz ausgezeichnet, man erfuhr – ähnlich einem Klassentreffen – was aus diesem oder jenem geworden ist – im Spiel, im Job, im Privaten – war von einigen Dingen überrascht und sah sich an anderer Stelle exakt in den Erwartungen bestätigt, lachte viel, klärte manches Missverständnis auf und hatte kurz gesagt einfach nen netten Abend miteinander.

Tja, und am Ende desselben – Mitternacht war durch, ergo der Geburtstag da – übernahm er dann die Rechnung und wir verabschiedeten uns.

Oben in der Wohnung angekommen wurde dann der Geburtstag nahtlos weitergefeiert, indem mir meine Überraschung für Freitag enthüllt wurde: Jutta und ich werden also in einem Spa in Salzwasser floaten, und ich darf wieder überrascht sein wie gut Jutta im Laufe eines Jahres auf jeden kleinen Hinweis oder nebenher erwähnten Wunsch achtet. Anschließend werden wir am Schiffbauerdamm was essen gehen.

Geburtstagsmorgens war es dann – ebenfalls unerwartet – die Schwiegermutter, die mir zuallererst gratulierte. Davon hab ich auch noch nie gehört. Ferner harrten bereits seit Tagen Päckchen von T+S, die eiligst geöffnet und mit etwas Befremden begutachtet wurden (Befremden deshalb, da sich Buch und DVD soweit per Klappentext erkennbar mit dem Schicksal von Toten, Freudlosen, Alten oder an unheilbarem Siechtum Leidenden beschäftigten – was will man mir damit sagen? *g*).

Im Laufe des Tages meldete sich dann die gefühlte westliche Hemisphäre mit Glückwünschen, zweifellos eine Folge der modernen Vollvernetzung, in der man zwar immer mehr Menschen gratulieren, dafür immer weniger Menschen etwas schenken muss.

Abends dann folgte die immer heiß ersehnte Fahrt nach Kladow, um das wirklich nur einmal im Jahr auf den Tisch gebrachte Geburtstagsessen – Burgunderbraten – zu genießen. Dabei sahen Jutta und ich dann auch unseren kuhgefleckten Aushilfs-Wookie (gemeint ist unser ins mütterliche Exil verbannte Kater Chewie) wieder, der uns aber keiner weiteren Beachtung für wert befand.

Gesättigt und dann mit Frankfurter Kranz gemästet sowie bepackt mit einem Rundumpaket hochwillkommener Überlebensausrüstung für Herbst und Winter machten wir uns auf den Heimweg, um daheim angekommen mehr oder weniger sofort in die Kissen zu sinken.

Oh, what a Day!

Was im übrigen das eben grausam unterschlagene letzte Wochenende angeht, war Jutta krank und wir mussten ein für Freitag angedachtes Spiel absagen, um uns stattdessen mit DVDs vollzudröhnen (Himmel und Huhn, Ghetto Gangs 2, Illuminati und Wolverine, wenngleich in anderer Reihenfolge). Einen faulen Samstagtag später machte ich mich dann Samstagabends alleine ins schröckliche Reich der Nacht und der Vampire auf – es fand eine Art Gerichtssitzung der Blutsauger statt (was man eben so als Hobby macht) – um erst nach drei Uhr nachts heimzukehren.

Sonntag war ich denn entsprechend gerädert, wir sahen zu, dass wir uns entspannten, was angesichts von Juttas Lachattacken bei dem weitgehend unbekannten, dabei aber höchst empfehlenswerten Film “Noises Off” (u.a. mit Christopher Reeve, Michael Caine und John Ritter) fast tödlich ausgegangen wäre *g*

Jetzt ist Mittwoch, und in wenigen Augenblicken treffen ein paar Spielwütige ein, um mit einem altersschwachen Raumschiff in die unendliche Freiheit des Weltalls aufzubrechen. Oder auf der Startrampe zu explodieren. Mal sehen.

Wow.

Ich meine: WOW.

Endlich ist es geschafft: Ich hab alles nachgearbeitet, was es nachzuarbeiten gab. Und bin erstmals seit –äh– der Hochzeit im “Hier und Jetzt” angekommen. Schreibe sozusagen erstmals so, wie ein Blog gedacht ist: LIVE. NOW. WOW.

Das Rabennest vor Ankunft des Nachwuchses. Die Idee, das Wohnzimmer rot zu streichen, hatte der Rabenvater noch ehe er die Rabenmutter kennenlernte, von einem "Roten Salon" in einem Kurklinikum. Auch wichtig: Die Bilder an der Wand sind selbstgemacht, und der schwarze Kasten unterm TV ist die heißgeliebte PS3 (im Bild mit Guitar Hero USB-Link)

Was ich beim Nachtragen vergessen habe zu erwähnen: Am 23. August hatten Jutta und ich “Vierteljährigen Hochzeitstag”, und da wir schon immer lieber zu oft als zu selten derartige Events gefeiert haben, taten wir das auch dieses Mal.

Zunächst einmal suchten wir den “Ort, wo es begann” auf. Will meinen: Wir fuhren in Richtung Charlottenburger Schloss, und dort im Umfeld genauer gesagt zum ominösen “Tunnel-Eck”, das wir auf unserer unfreiwilligen Nachtwanderung ja passiert hatten. An sich hatten wir vorgehabt, mindestens etwas zu trinken dort, aber die Kneipe sah bei Licht besehen noch seltsamer aus als nachts, also gingen wir nur des Andenkens halber durch den Tunnel, um bald darauf umzukehren und zum Schloss weiterzufahren.

Dort gingen wir ins Luisenbräu, schnabulierten was Leckeres, und ich verköstigte eine Kollektion des dort gebrauten Hausbieres (eine nette Idee: man erhält 5 Mini-Gläschen der verschiedenen Biere und kann diese somit direkt vergleichen).

Was über den Rest zu sagen wäre – gemeint ist die Zeit vom 1. Oktober bis jetzt – so ist dies im Prinzip schnell erzählt: Da wäre zunächst mal das erste Oktoberwochenende, an dem wir gleich mehrere Geburtstagseinladungen abgrasten, die allesamt sehr schön waren (informativ, gell? Jaaa, Bloglesen ist das Größte!).

Abends am Sonntag bekamen wir dann noch Besuch aus USA – in Zusammenhang mit unserem spinnerten Hobby – mit dem wir dann einen sehr lustigen (bisweilen etwas lauten) Abend in der Zitadellenschänke verbrachten.

Am Folgetag verschwand ich sofort zwei Tage nach Westdeutschland auf einen Filmdreh, um am folgenden Wochenende Juttas Schwester Antje beim Umzug zu helfen und mir dank Fallkraft eines fallengelassenen Möbelstücks die Wade zu zertrümmern, mir zwei Finger an zwei selbst doof abgestellten Möbeln zu klemmen und mir zuletzt – glücklich zu Hause – noch den Schädel am Sicherungskasten anzuschlagen.

Am selben Abend hatten wir dann noch Gäste im Haus – mir ging es blendend!

Letzten Montag dann der zweite Termin bei der Frauenärztin mit dem Super-Ultraschallgerät, das es aber auch nicht fertigbrachte durch die aufs Gesicht gepressten Hände des Babies durch zu fotografieren (sollte mein Kind später mal prominent werden, wünsche ich schon jetzt allen Paparazzi viel Glück!).

Auch bei dieser Untersuchung – welche die “sichere” Erkenntnis brachte, es handele sich um ein Mädchen – war alles Bestens , kein Grund zur Sorge (wobei natürlich eine Restsorge immer bleibt, denn nicht alle Erkrankungen lassen sich im Mutterleib erkennen – nur: was hat es für einen Sinn, sich verrückt zu machen?).

Am Dienstag war Jutta beim Frisör (ein weiterer Mega-Newsartikel!). Jetzt haben wir Freitag. Und ich mach Schluss für heute :)

Bis denne!

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